Pattys Frühchentagebuch…
Die Welt von Shayenne-Chiara und Samirah-JosephineFrühchentagebuch Tag 02 – Part 003
Da standen wir nun auf dem Parkplatz und ich war innerlich total aufgeregt. Was würde mich jetzt erwarten. Noch war ich äusserlich gelassen, optimistisch, versuchte zu flachsen und erschien gut gelaunt.
Wir erklommen den Weg zum Eingang der Kinderklinik, der uns schon bald verschluckte und kurze Zeit später befanden wir uns vor den Türen der Frühchenstation K04. Ich folgte Flow unauffällig, denn der war schon da gewesen.
Wir betraten das Zimmer, in dem mehrere Inkubatorenudn Wärmebettchen standen und in Zweien davon unsere Zwillinge. Ich nahm den Raum visuell in mich auf und versuchte auszumachen, wo wohl unsere beiden Mäuschen drin liegen.
Ich wurde vom Personal begrüsst und man wies mich an Hände waschen, desinfizieren und den Schutzkittel anziehen. Ich tat wie geheissen, noch immer äusserlich gelassen.
Flow führte mich zu den Inkubatoren unserer Mädchen, die nebeneinander stehen und ich schaute das erste Mal hinein und es zog mir die Füsse weg und die Luft war schlagartig sehr viel dicker und meine Atmung wollte irgendwie nicht mehr so. Der Anblick, der sich mir bot hat mich überwältigt, ich konnte nicht glauben was ich da sehe. Ich habe Augen udn doch weigerte sich der Verstand, das zu realisieren…
Ich konnte nicht sprechen, es hat mir komplett die Sprache verschlagen, meine Augen füllten sich mit Tränen, meine Brust schien zu bersten, mir wurde heiss und kalt… Am Tag zuvor, als man mir die Kleinen kurz nach der Geburt für ein Zwei Minuten in ein Handtuch gewickelt in den Arm gab, habe ich das nicht richtig wahrgenommen, zuviel Gewusel noch um mich.
Doch jetzt hier, zwischen den Inkubatoren stehend, den Blick hin und her wandernd zwischen den Kindern, traf mich die Keule unvermittelt an Hinterkopf und in den Magen. Sie sind so winzig, diese kleinen Köpfchen, diese kleinen Fingerchen, die Zehen, die Beinchen. Dazu all dieses technische Gerät, Schläuche usw… Das musste ich erst mal verdauen udn ich stand da, wagte nicht zu atmen und mir schoss durch den Kopf: “ was hast Du getan?“, ein schlechtes Gewissen bohrte in mir.
Flow liess mich erst mal das Ganze auf mich wirken, dann nahm er mich in den Arm. Ich hatte 1000 Fragen im Kopf und gleichzeitig war mein Gehirn leer, total leer. Ich hatte plötzlich eine Hemmschwelle, hatte Angst Fragen zu stellen, die brennendste, wie gehts den Kindern, wann darf man sie in den Arm nehmen, „känguruhen“ ? So stand ich nur stumm udn fassungslos jeweils vor dem jeweiligen Bettchen, hätte sie doch so gerne berührt und doch Angst davor, ich könnte da drin was kaputt machen. Ich als erfahrene Mutter! Hier irgendwie alles Neuland…
Wie in Trance und Watte gepackt hörte ich was die Schwestern zu mir sagten… Zaghaft und befangen fragte ich nach, ob ich die Mädchen streicheln darf. Man erlaubte mir es udn vorsichtig öffnete ich die kleine Durchgreifklappe am Inkubator und hatte den ersten Körperkontakt zu Samirah. Zart streichelte ich das Köpfchen, ernsthafter Blick, die Lippen schmal, die Schläfen pochten… Betrachtete das kleine Näschen, das Mündchen, die Gliedmaßen, alles vorhanden… nur eben kleiner, wirklich und doch unwirklich… Samirahs Hautfarbe rötlich, wie ein kleiner Indianer.. Ich streichelte sanft ihre Ärmchen, die Fingerchen und den Rest.
Ich wechselte zu Shayenne, wo sich das Prozedere wiederholte, Shayennes Haut rosiger, sie hat weniger Haare… Ich nahm mir einen Stuhl, setzte mich zwischen die Inkubatoren und schaute mir eine zeitlang die Kleinen im Wechsel an, die Tränen waren versiegt, aber die Augen brannten und ich vermochte mich kaum zu artikulieren. Die Schwester meinte, man könne sie am Tag darauf kurz herausnehmen, dass wir sie halten können und in mir keimte Hoffnung auf, aber nicht soviel, denn ich wollte erst abwarten, ob das wirklich geschehen wird, bevor ich vielleicht enttäuscht werden würde, Ich konnte es nicht glauben, dass wir die Mäuschen da wirklich herausbekommen würden, weil sie diese ganzen Drähte ect an sich haben…
Da wir weiter nichts mehr ausrichten konnten fuhren wir heim, ich war sehr nachdenklich auf der Fahrt. Flow war müde und legte sich hin und ich wanderte im Haus herum. Stellte mich ins Kinderzimmer, liess es auf mich wirken, die Bettchen, alles – setzte mich ins Esszimmer udn war unruhig. Es gab nichts zu tun, die Grossen fragten mich neugierig und ich beantwortete deren Fragen.
Ich hielt es nicht aus im Haus, die letzten Wochen, die Sorgen und Nöte und Ängste privater Natur, die Geburt, die Kleinen – ich musste raus. Ich beschloss zu unserer konstituierenden Kreisvorstandssitzung zu fahren, denn wir hatten Neuwahlen gehabt und ich innerhalb diesen Gremiums einen neuen Posten inne, den alten, den ich 3 Jahre ausgeübt hatte, besetzt nun ein Anderer. Ich teilte Flow meinen Entschluss mit und fuhr von dannen…
Auf der Fahrt kamen die Gedanken und am Zielort angekommen hatte ich mich wieder im Griff, switchte um auf “ Profi „, gab mich souverän. Als man mich erblickte, staunte man, denn ein paar wussten schon, das ich entbunden hatte. Eine Kollegin und Freundin die ankam, begrüsste mich, streichelte meinen Bauch und fragte wie es uns Dreien denn ginge und ich eröffnete ihr, dass ich nur noch zu Eint bin. Sie bekam grosse Augen und meinte: “ Und dann bist Du schon da? “ Mein Restvorstand, mit denen ich auch befreundet bin, kam langsam eingetrudelt udn jeder reagierte gleich. Grosse Augen, ungläubig, dass ich schon hier sass. Ich beschied ihnen, dass ich es ernst nehme, wenn ich gewählt bin, wie die letzten 3 Jahre auch und dass ich ja nichts weiter tun kann derzeit als daheim die Wand anstarren und irre würde und hier Ablenkung habe und mich konzentrieren muss.
Die Sitzung begann, die Kreisvorsitzende lobte mich, weil ich schon da bin, trotz Geburt, dass ich deshalb entschuldigt sei und mir das so schnell niemand nachmachen würde. Ich wiegelte ab, so Besonders sei das nicht, usw… Ich nahm meine Aufgabe als Kreisschriftführerin auf und protokollierte was Gesprochen und behandelt wurde… Zwischendurch erntete ich wohlwollende Blicke meiner Freunde, die ich erwiderte.
In der Pause beantwortete ich diverse Nachfragen nach dem werten Befinden, man wunderte wie fit ich physisch und psychisch (!!) bin. Ich hatte das wirklich nach aussen transportiert. Beim physischen wars ja auch so. Topfit.
Ich bekam endlich eine Antwort SMS von Marion, der Patin von Wombelchen die gratulierte und, was war dass denn? Sie hat am Morgen selber entbunden, via Kaiserschnitt? Ich fragte mich, wie dass denn jetzt? Erstgebärend, die hatte doch errechneten Geburtstermin eine Woche vor mir… Gibts doch nicht, auch eine Frühgeburt?? Ich simste zurück und wir kommunizieretn eine Zeitlang auf diesem Wege…
Ich brachte die Sitzung hinter mich, notierte alles Relevante und die Kollegen/Innen machten sich langsam auf den Heimweg… Eine aus meinem engsten Kreis, wo pures Vertrauen und Freundschaft herrscht, fragte mich fürsorglich etwas. Der Raum hatte sich geleert udn da stand sie vor mir. Streichelte meinen Arm, ihre nette fürsorgliche Frage und ich bekam plötzlich keine Luft mehr, ich merkte die Tränen kommen, meien Jalousie geht hoch, die Mauer des Coolen bröckelt und fällt. Das wollte ich nicht zeigen, nicht mal meinem engsten Kreis, ich bin doch stark, souverän, ich packe das doch.. Ich lass mir doch nie was anmerken… Ich drehte mich abrupt um, wollte flüchten um mich zu fangen aber in dem Raum sassen noch 2/3 und ich konnte es nicht aufhalten, die Tränen brachen aus, ich ärgerte und schämte mich zu Tode, dass ich mich so gehen liess. Sofort stand mein harter Kern um mich herum, besorgt, bestürzt, sprach auf mich ein und ich war ausserstande mich zu artikulieren, zitterte. Ich wollte das doch nicht, niemand soll sehen, wie es in mir aussieht, ich bin Profi, eiskalt…
Die letzten Wochen waren stramm, privat, das weiss niemand ausser 2 Eingeweihte aus diesem Kreis. In unserm Gremium hatten wir harte Kämpfe die letzten Monate gegen Dritte, wir haben obsiegt, weil wir zusammenhielten und uns gegenseitig stützten und so bildete sich eine Phalanx, eine Einheit, Freundschaft. Dieser Kampf hatte uns geschweisst.
Ich beruhigte mich langsam, man sprach mir gut zu, tröstete mich… Irgendwann sass ich dann im Auto, wollte nicht heim, so stand ich noch ne Zeitlang zwischen zwei Ortschaften udn regenerierte…
Flow war wach und besorgt als ich gegen 1 Uhr eintrudelte, ich berichtete das Geschehen, war noch sichtlich bewegt und berührt. Wir gingen dann zu Bett. Ich lag noch ne Zeitlang war udn schlief wohl irgendwann erschöpft ein.
Fortsetzung folgt…!
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Ich war wieder lesen da… hier ist mein „Stempel“, damit Du es auch weißt…
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Ich hab’s die kommende Woche ziemlich „noch dichter als normal“, aber ich bin schon am „Zusammenstellen“ (Du weißt schon – noch einmal danke für die gewünschten „Auskünfte“ zur aktuellen Lage), und ich denke, Anfang Juli sollte dann mal was Größeres unterwegs sein, meine Liebe!
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Fühl Dich von mir ganz fest umarmt!
Monika